Kind weint beim Abgeben in der Kita: Was Eltern tun können
Kaum etwas zieht so am Herzen, wie ein weinendes Kind an der Kitatür zurückzulassen. Wenn eure Morgen mit festgeklammerten Armen und Tränen enden, machst du nichts falsch, und mit deinem Kind stimmt alles. Weinen beim Abschied gehört zu den häufigsten und ganz normalen Seiten der Kitazeit. Hier geht es um kleine Veränderungen, die diesen Moment wirklich leichter machen.
Was die Tränen eigentlich bedeuten
Wenn ein Kleinkind gegen den Abschied protestiert, ist das ein gesundes Zeichen von Bindung. Dein Kind hat gelernt, dass du sein sicherer Hafen bist, und bleibt lieber bei dir. Im zweiten Lebensjahr ist die Trennungsangst oft am stärksten, deshalb können Tränen auch bei einem Kind auftauchen oder heftiger werden, das sich vorher leicht verabschiedet hat. Das Weinen ist eine Botschaft, kein Urteil über die Kita oder über dich.
Und das bekommen die meisten Eltern nie zu sehen: Die meisten Kinder, die an der Tür weinen, hören wenige Minuten nachdem Mama oder Papa gegangen ist auf und fangen an zu spielen. Bitte die Bezugserzieherin, dir ehrlich zu sagen, wie lange die Tränen dauern, wenn du weg bist. Die Antwort ist oft eine große Erleichterung.
Abschied herzlich und kurz
Lange, zähe Abschiede machen es meist schwerer. Je länger du bleibst, desto mehr steigt die Anspannung und desto eher spürt dein Kind, dass dieser Moment etwas Bedrohliches ist. Ein sicherer, liebevoller und ruhiger Abschied wirkt besser als ein zögerlicher.
- Gib eine Umarmung und sag jedes Mal denselben Satz.
- Übergib dein Kind an eine vertraute Erzieherin, statt es selbst von dir loszumachen.
- Sag klar, wann du wiederkommst, und zwar so, dass dein Kind etwas damit anfangen kann („nach dem Mittagsschlaf und dem Obst“).
- Dann geh und komm nicht für noch eine Umarmung zurück.
Wer immer wieder zurückkommt oder am Fenster stehen bleibt, löst die Tränen meist neu aus, und dein Kind lernt, dass genug Weinen den Plan vielleicht ändert.
Ein kleines Ritual
Kinder finden Halt im Vorhersehbaren. Ein kurzer Abschied, der immer gleich abläuft, gibt deinem Kleinkind etwas zum Festhalten. Das können zwei Küsschen und Winken an einem bestimmten Fenster sein, ein geheimer Handschlag oder das Kuscheltier, das ihr gemeinsam ins Fach legt. Welches Ritual ihr wählt, ist weniger wichtig, als dass es gleich bleibt. Jeden Tag wiederholt wird es zum Wegweiser: „Jetzt verabschieden wir uns, und am Ende kommt Mama oder Papa immer wieder.“
Achte auf dein eigenes Gesicht und deine Stimme
Kleinkinder lesen Erwachsene wie ein offenes Buch. Wenn deine Stimme zittert oder du verzweifelt aussiehst, schließt dein Kind daraus, dass es Grund zur Sorge gibt. Du musst dich nicht ruhig fühlen, aber es hilft sehr, für diese dreißig Sekunden ruhig auszusehen. Deine eigenen Tränen dürfen im Auto oder auf dem Fahrrad kommen. Vielen Eltern hilft eine kurze Nachricht der Bezugserzieherin zehn Minuten später, um gut durch den Vormittag zu kommen.
Den Morgen gut vorbereiten
Ein hektischer, chaotischer Start macht alle dünnhäutiger. Wenn das Weinen beim Abgeben oft vorkommt, lohnt sich ein Blick auf den ganzen Morgen.
- Steht so früh auf, dass niemand hetzen muss.
- Gib ein richtiges Frühstück, denn Hunger macht die Geduld kurz.
- Leg Kleidung und Tasche schon am Abend bereit.
- Erzähl auf dem Weg fröhlich und einfach, was heute in der Kita passiert.
Ein Kind, das satt, ausgeschlafen und ohne Eile ankommt, hat mehr Kraft für den Abschied.
Mit der Kita zusammenarbeiten
Die Erzieherinnen erleben das jeden Tag und haben schon alles gesehen. Frag sie, was deinem Kind hilft, wenn du gegangen bist. Manche Kleinkinder beruhigen sich am schnellsten, wenn sie direkt zu ihrer liebsten Erzieherin dürfen, andere, wenn sie zu einem bestimmten Spiel geführt werden oder eine kleine Aufgabe bekommen. Eine feste Übergabe, bei der jeden Morgen dieselbe Person dein Kind empfängt, kann viel bewirken. Erzähl, was zuhause hilft, damit alle dieselbe Geschichte erzählen.
Gib dem Ganzen genug Zeit
Ankommen ist ein Prozess, kein Schalter. Die meisten Kinder gewöhnen sich innerhalb von ein paar Wochen ein, doch ein Gruppenwechsel, eine Krankheit, Urlaub oder ein Entwicklungsschub können die Tränen eine Weile zurückbringen. Bleib ein oder zwei Wochen konsequent bei einem Weg, bevor du entscheidest, dass er nicht funktioniert. Wer jeden Tag etwas anderes probiert, verunsichert dein Kind nur zusätzlich.
Wann du genauer hinschaust
Anhaltende Tränen beim Abgeben sind meist einfach Eingewöhnung. Sprich aber mit der Bezugserzieherin oder der Kinderarztpraxis, wenn der Kummer nach mehreren Wochen überhaupt nicht nachlässt, wenn dein Kind fast den ganzen Tag heftig weint statt nur ein paar Minuten, wenn es eher verängstigt als traurig wirkt, wenn es in der Kita nicht isst oder schläft oder wenn du irgendeine Sorge hast, wie es dort betreut wird. Vertrau deinem Gefühl und stell Fragen.
Das Wichtigste: Ein ruhiger, kurzer und immer gleicher Abschied, ein entspannter Morgen und die Nachfrage, wie schnell sich dein Kind nach deinem Gehen beruhigt, helfen am meisten.
HealthyChildren.org (AAP), How to Ease Your Child's Separation Anxiety