Kita oder Nanny? Fragen, die euch bei der Entscheidung helfen
Auf die Frage nach der richtigen Betreuung gibt es keine Antwort, die für alle stimmt, nur die richtige für eure Familie, euer Kind und eure Lage. Eine Kita kann wunderbar und liebevoll betreuen, eine Nanny oder Kinderfrau zuhause ebenso, und beides hat seinen Preis. Statt einer Liste mit Argumenten dafür und dagegen, die vielleicht gar nicht auf euch zutrifft, findest du hier ehrliche Fragen, die ihr gemeinsam durchgehen könnt, damit die Wahl zu eurem echten Leben passt.
Fang bei deinem Kind an
Am besten beginnst du bei deinem ganz eigenen Kind, denn sein Temperament zählt mehr als jede allgemeine Regel.
- Blüht dein Kind unter anderen Kindern auf, oder überfordern Gruppen es?
- Wird es von Lärm und Trubel schnell überreizt, oder braucht es genau das?
- Hat es besondere Bedürfnisse, die eine enge, verlässliche Betreuung nur für sich verlangen?
- Wie geht es mit Übergängen und fremden Menschen um?
Ein geselliges, robustes Kind kann im lebhaften Kitaalltag richtig aufblühen. Ein sehr junges Baby, ein empfindsames Kind oder eines, das Ruhe und feste Abläufe braucht, ist mit der beständigen, persönlichen Aufmerksamkeit einer Nanny zuhause vielleicht besser aufgehoben.
Fragen zu Betreuung und Aufmerksamkeit
Im Kern geht es darum, welche Beziehung dein Kind zu den Menschen haben wird, die es betreuen.
Fragen zu Kontakten und Anregung
Kita und Betreuung zuhause bieten Kindern Unterschiedliches.
- Ist euch das tägliche Spiel mit anderen Kindern und die frühe Erfahrung in einer Gruppe wichtig?
- Hat dein Kind schon anderswo Kontakt zu Kindern, in der Krabbelgruppe, beim Babyschwimmen oder mit Cousinen, Cousins und Freunden?
- Eine Nanny kann mit deinem Kind zu Kursen und auf den Spielplatz gehen, aber der Tag ist ruhiger. Eine Kita bietet ständig andere Kinder, viel Material und geplante Angebote.
Keins von beidem ist an sich besser. Es kommt darauf an, was dein Kind gerade braucht und was seine Woche sonst noch füllt.
Fragen zu Alltag und Flexibilität
Der echte Alltag prägt diese Entscheidung genauso wie eure Ideale.
Fragen zu Kosten und Verwaltung
Geld spielt eine Rolle, und beide Wege sind ganz unterschiedlich aufgebaut.
- Vergleicht die echten Kosten: Kitabeiträge pro Kind gegenüber dem Gehalt einer Nanny samt Steuern, Sozialabgaben und anderen Kosten als Arbeitgeber.
- Bei zwei oder mehr Kindern kann eine Nanny ähnlich viel oder weniger kosten, bei einem Kind ist die Kita oft günstiger.
- Wer eine Nanny anstellt, wird Arbeitgeber, mit Pflichten und Papierkram. Eine Kita kümmert sich um all das selbst.
- Prüft, welche Zuschüsse, Steuervorteile oder Ansprüche euch zustehen, denn sie gelten für beide Wege oft unterschiedlich.
Fragen zu Sicherheit und Aufsicht
Was auch immer ihr wählt, ihr wollt der Betreuung vertrauen können.
- Hat die Einrichtung oder die Person die nötige Erlaubnis und die passenden Nachweise, so wie es dort vorgeschrieben ist, wo ihr wohnt?
- Wie überzeugt ihr euch bei einer Nanny von Referenzen, einem Kurs in Erster Hilfe am Kind und einem Führungszeugnis?
- Was erfahrt ihr bei einer Kita über ihr Konzept und die Aufsicht, und wie hält sie euch auf dem Laufenden?
- Wie wohl fühlt ihr euch in beiden Fällen mit der Offenheit und dem Austausch im Alltag?
Abwägen
Wenn ihr diese Fragen durchgesprochen habt, zeigt sich meist ein Muster. Viele Familien merken, dass es am Ende auf wenige Dinge ankommt, die ihnen am wichtigsten sind: persönliche Aufmerksamkeit gegenüber dem Leben in der Gruppe, flexible Zeiten, die Kosten bei der Zahl eurer Kinder und vor allem, was jetzt zum Temperament eures Kindes passt. Eure Prioritäten können sich verschieben, während dein Kind wächst, und es ist völlig in Ordnung, jetzt das eine zu wählen und später zu wechseln.
Ein Wort zum Ankommen
Egal, wofür ihr euch entscheidet: Dein Kind braucht Zeit zum Ankommen, und ein paar Tränen am Anfang sind bei einer neuen Betreuungsperson oder in einer neuen Kita normal. Mit der Entscheidung selbst ist kein gesundheitliches Warnzeichen verbunden. Wenn eine Betreuung dein Kind aber über viele Wochen dauerhaft verzweifelt, verängstigt oder in frühere Entwicklungsschritte zurückfallen lässt, oder wenn du dir je Sorgen um sein Wohl machst, vertrau deinem Gefühl, stell Fragen und hol dir Rat. Das Ziel ist eine sichere, warme und verlässliche Betreuung, und die können eine gute Kita und eine gute Nanny gleichermaßen bieten.
Das Wichtigste: Fang beim Temperament deines Kindes an und wäge dann Aufmerksamkeit, Kontakte, Flexibilität, Kosten und Sicherheit gegen das ab, was eure Familie wirklich braucht.