Wie lange dauert die Eingewöhnung in der Kita?
Mitten in Wochen voller Tränen am Morgen und Klammern am Abend stellen sich fast alle Eltern dieselbe Frage: Wie lange dauert das noch? Ehrlich gesagt ist es bei jedem Kind anders. Es gibt aber typische Verläufe, und wer sie kennt, kann eine sorgenvolle Zeit mit mehr Zuversicht aussitzen.
Kurz gesagt
Bei vielen Kindern dauert die schwierigste Phase zwischen zwei und sechs Wochen. Viele Kleinkinder kommen schon in den ersten zwei Wochen an, andere brauchen ein paar Monate, bis sie sich wirklich zuhause fühlen, und einige wenige noch länger, vor allem wenn sie sehr jung sind, bisher kaum ohne dich waren oder von Natur aus vorsichtig sind. Einen einzig richtigen Zeitplan gibt es nicht, nur eine Richtung: Es sollte nach und nach leichter werden, auch wenn es nicht geradlinig verläuft.
So sieht ein normaler Verlauf aus
Die Eingewöhnung wird selten Tag für Tag ordentlich besser. Realistischer ist etwa dieses Bild: Die ersten Tage laufen oft erstaunlich gut, weil alles neu und spannend ist. Wenn dein Kind merkt, dass die Kita jetzt jeden Tag kommt, folgt häufig ein Einbruch mit mehr Tränen und mehr Klammern. Danach werden die Abschiede langsam kürzer, das Weinen hört schneller auf, und nach Wochenenden, Krankheit oder Ferien gibt es kurze Rückfälle.
Rechne mit Auf und Ab. Ein tränenreicher Morgen nach einer guten Woche heißt nicht, dass ihr wieder bei null seid.
Was die Eingewöhnung beschleunigt und was sie bremst
Wie lange es bei deinem Kind dauert, hängt von mehreren Dingen ab.
- Alter und Entwicklungsstand. Die Trennungsangst ist im zweiten Lebensjahr oft am stärksten. Ein Kind mit fünfzehn Monaten protestiert deshalb vielleicht mehr als ein gelasseneres dreijähriges, auch wenn ältere Kinder ihre eigenen Sorgen haben.
- Temperament. Vorsichtige, empfindsame Kinder brauchen oft einen längeren, sanfteren Einstieg als unbekümmerte.
- Regelmäßigkeit. Wer regelmäßig und zu verlässlichen Zeiten kommt, lernt den Rhythmus schneller. Häufige Pausen stellen die Uhr ein Stück zurück.
- Eine feste Bezugserzieherin. Eine warme, verlässliche Person, die dein Kind jeden Tag empfängt, schafft schneller Vertrauen.
- Ruhe zuhause. Ein neues Geschwisterchen, ein Umzug oder eine Krankheit zur selben Zeit können das Ganze in die Länge ziehen.
Woran du erkennst, dass es in die richtige Richtung geht
Es muss nicht tränenfrei sein, damit es funktioniert. Schau auf die Entwicklung, nicht auf einen einzelnen Tag.
- Das Weinen beim Abgeben ist kürzer oder hört schneller auf, wenn du gegangen bist.
- Dein Kind findet innerhalb weniger Minuten ins Spiel, was dir die Erzieherinnen bestätigen können.
- Es erzählt von Freunden, Liedern, dem Frühstück oder den Erzieherinnen.
- Essen und Mittagsschlaf in der Kita werden mit der Zeit besser.
- Die Abende werden ruhiger, oder die Ausbrüche nach der Kita lassen nach.
Frag die Bezugserzieherin, wie es deinem Kind geht, wenn du weg bist. Ihr Bericht zeigt oft viel mehr Fortschritt, als das Drama an der Tür vermuten lässt.
So unterstützt du das Ankommen
Beschleunigen kannst du die Eingewöhnung nicht, aber du kannst gute Bedingungen schaffen.
- Bring dein Kind in den ersten Wochen regelmäßig und zu verlässlichen Zeiten.
- Verabschiede dich jedes Mal mit demselben kurzen Ritual.
- Schütz den Schlaf und biete vertrautes Essen an, damit dein Kind Kraft übrig hat.
- Sprich zuhause freundlich über die Kita und nenn die Erzieherinnen und Spiele beim Namen.
- Schenk abends extra Kuscheln und Ruhe, denn Ankommen ist anstrengend.
Vor allem: Bleib standhaft. Kinder orientieren sich an dir. Wenn du die Kita als sicheren, normalen und guten Teil eures Lebens behandelst, geht diese Überzeugung langsam auf dein Kind über.
Wann sich ein genauerer Blick lohnt
Meist braucht ein Kind, das sich langsam eingewöhnt, einfach mehr Zeit, und Geduld ist die wichtigste Zutat. Ein ausführliches Gespräch mit der Kita oder der Kinderarztpraxis lohnt sich aber, wenn sich nach etwa sechs bis acht Wochen gar nichts verbessert hat, wenn dein Kind fast den ganzen Tag verzweifelt ist statt nur kurz beim Abgeben, wenn es dort dauerhaft nicht isst oder trinkt, wenn Fähigkeiten, die es schon sicher konnte, wieder verloren gehen oder wenn sich seine Stimmung zuhause deutlich verändert und nicht erholt. Solche Situationen verdienen Aufmerksamkeit, keine Panik, und eine gute Kita wird mit dir zusammenarbeiten wollen.
Sei freundlich zu dir
Zuzusehen, wie dein Kind sich schwertut, ist wirklich hart, und Schuldgefühle bedeuten nicht, dass du einen Fehler machst. Verlässliche Trennungen, auf die ein liebevolles Wiedersehen folgt, zeigen Kindern, dass die Welt sicher ist und dass du immer zurückkommst. Diese Erfahrung ist die wackeligen Wochen wert. Gib dem Ganzen Zeit, verlass dich auf die Erzieherinnen und vertrau darauf, dass die meisten Kinder am Ende gut und fröhlich ankommen.
Das Wichtigste: Einen festen Zeitplan für die Eingewöhnung gibt es nicht, doch die meisten Kinder kommen innerhalb von zwei bis sechs Wochen an. Schau auf die Richtung, nicht auf einen schweren Morgen.
HealthyChildren.org (AAP), Building Adjustment to Child Care