Abschiedsritual für die Kita: So findet ihr eures

Kleine Kinder finden enorm viel Trost in Dingen, die jedes Mal gleich ablaufen. Genau deshalb wirkt ein Abschiedsritual in der Kita so gut. Statt jeden Morgen einen anderen, ungewissen Abschied zu erleben, bekommt dein Kind eine vertraute Abfolge, auf die es sich verlassen kann und die immer damit endet, dass du wiederkommst. Das Schöne: Ein solches Ritual kostet kaum Mühe und wirkt schnell.

Warum ein Ritual hilft

Ein Abschied ist ein Übergang, und Übergänge fallen kleinen Kindern schwer, weil sie keine Kontrolle darüber haben, was als Nächstes passiert. Ein Ritual gibt ihnen ein Stück davon zurück. Aus einem ängstlichen, offenen Moment wird ein kurzes, geübtes Drehbuch, das dein Kind auswendig kennt. Wer weiß, was kommt, hat weniger Angst, und das verlässliche Ende, deine Rückkehr, wird Tag für Tag zur Erfahrung. Mit der Zeit beruhigt schon das Ritual selbst, als Zeichen: „Jetzt kommt der Abschied, und der ist sicher.“

Kurz und wiederholbar

Der häufigste Fehler ist ein zu langer Abschied. Ein Ritual ist kein ausgedehntes Lebewohl. Der Zauber liegt in der Kürze und im Gleichbleiben, nicht in der Länge. Plan etwas, das weniger als eine Minute dauert und sich genauso machen lässt, ob ihr früh oder spät dran seid, ob du gut gelaunt oder gestresst bist. Wenn es schnell geht und immer gleich ist, kann sich dein Kind voll darauf verlassen.

Such euch die Zutaten aus

Ein gutes Ritual besteht meist aus zwei oder drei kleinen, körperlichen, wiederholbaren Teilen. Nimm, was zu deinem Kind passt, und bleib dabei.

  • Ein fester Satz. Sag jedes Mal dieselben Worte, warm und sicher, damit schon die Worte trösten.
  • Eine Berührung. Zwei Küsschen, ein geheimer Handschlag, Abklatschen, Nasenstupser oder eine feste Umarmung. Körperliche Nähe beruhigt.
  • Winken am Fenster. In vielen Kitas gibt es einen Platz, an dem dein Kind dir hinterherwinken kann. Das letzte Winken schließt den Abschied ab.
  • Das Kuscheltier übergeben. Gemeinsam das Kuscheltier ins Fach oder in die Tasche zu stecken, kann helfen.
  • Die Erinnerung ans Wiederkommen. Zum Schluss ein einfacher, ehrlicher Satz, wann du wiederkommst, verknüpft mit dem Tagesablauf deines Kindes.

Du brauchst nicht alles davon. Zwei Bausteine, die ihr immer gleich macht, reichen völlig.

Ein Beispiel, das funktioniert

So könnte das Ritual einer Familie aussehen: eine Umarmung, dann „Ein Küsschen für diese Backe, eins für die andere“, dann den Teddy übergeben, dann „Ich hol dich nach dem Mittagsschlaf ab, ich hab dich lieb“, dann Winken an der blauen Tür. Jeden Morgen genau in dieser Reihenfolge. Nach ein, zwei Wochen führt das Kind selbst durch das Ritual, und das Vorhersehbare übernimmt das Trösten.

Jedes Mal gleich

Gerade die Beständigkeit ist der Sinn, also widersteh der Versuchung zu improvisieren. Wenn ihr spät dran seid, macht das Ritual trotzdem, genauso schnell wie sonst, statt es auszulassen. Fällt es aus, fehlt deinem Kind die Sicherheit genau dann, wenn es sie am meisten braucht. Es hilft auch, wenn beide Eltern und alle anderen, die dein Kind bringen, dasselbe Ritual nutzen. Dann bekommt dein Kind dieselbe tröstende Abfolge, egal wer es begleitet.

Am Ende gehst du, und zwar sicher

Das Ritual muss damit enden, dass du wirklich gehst, ruhig und ohne zurückzukommen. Kehrst du für noch eine Umarmung um, verlängerst du den Abschied, und dein Kind lernt, dass das Ritual gar nicht wirklich das Ende bedeutet. Ritual, Satz, gehen. Vertrau darauf, dass die Erzieherinnen übernehmen. Die meisten Kinder beruhigen sich innerhalb von Minuten, wenn Mama oder Papa wirklich weg ist, und die Bezugserzieherin bestätigt dir das oft, wenn du fragst.

Lass dein Kind mitgestalten

Kleinkinder und Kindergartenkinder nehmen ein Ritual eher an, wenn sie es mit aussuchen dürfen. Es wird dann zu ihrem eigenen. Frag, welchen geheimen Handschlag es möchte oder welches Fenster das Winkefenster sein soll. Ein Ritual, das dein Kind mit erfunden hat, gehört ihm, und dieses Gefühl, mitbestimmen zu dürfen, beruhigt schon für sich.

Wann ihr es auffrischt

Rituale können sich abnutzen oder müssen angepasst werden, wenn dein Kind größer wird oder wenn Urlaub, Krankheit oder ein Umzug die Wackler zurückbringen. Wenn das alte Ritual nicht mehr ankommt, behaltet den Rahmen und tauscht gemeinsam die Zutaten, statt die Idee aufzugeben. Dass es überhaupt ein Ritual gibt, ist wichtiger als jede einzelne Fassung davon.

Ein Wort zu anhaltendem Kummer

Ein Abschiedsritual lindert die gewöhnlichen Trennungstränen, und die sind normal und gesund. Es löst aber nicht jede Sorge. Ist dein Kind über viele Wochen fast den ganzen Tag stark verzweifelt, wirkt es eher verängstigt als traurig, fällt es in frühere Entwicklungsschritte zurück oder hast du irgendeine Sorge, wie es betreut wird, sprich in Ruhe mit der Kita oder der Kinderarztpraxis. Für den ganz normalen Abschied am Morgen ist ein einfaches, liebevolles, immer gleiches Ritual aber eines der freundlichsten Werkzeuge, die du hast.

Das Wichtigste: Wähl zwei oder drei kurze Schritte mit Berührung, einen warmen Satz und die Erinnerung, wann du wiederkommst. Mach es jeden Tag genau gleich und geh dann sicher.

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