Wenn das Kleinkind im Hotel nicht schläft

Ihr wart den ganzen Tag unterwegs, das Zimmer ist gebucht, und jetzt fängt der schwere Teil an: ein kleines Kind an einem völlig fremden Ort zum Schlafen zu bringen. Neue Gerüche, anderes Licht, seltsame Geräusche durch die Wand und ein Bett, das nicht seins ist, können aus einem sonst guten Schläfer um zehn Uhr abends ein hellwaches, unruhiges Kleinkind machen. Die erste Nacht im Hotel erwischt viele Familien kalt, aber mit etwas Vorbereitung und realistischen Erwartungen kommen die meisten Kinder nach ein oder zwei Nächten zur Ruhe.

Das Vertraute mitnehmen

Schlaf hängt eng an Signalen, und ein kleines Kind verlässt sich stark darauf. Das Wirksamste, was du einpacken kannst, ist das Sinnespaket, das dein Kind schon mit Schlaf verbindet: der eigene Schlafsack oder eine vertraute Decke, das Kuscheltier, das Gutenachtbuch, das ihr immer lest, und, falls ihr es nutzt, das Rauschen oder Schlaflied von zuhause. Diese kleinen, tragbaren Dinge sagen dem Körper deines Kindes „jetzt ist Schlafenszeit“, auch wenn das Zimmer drumherum fremd ist. Das eigene Kissen oder Spannbettlaken, ungewaschen, damit es nach zuhause riecht, wirkt erstaunlich gut.

Einen sicheren Schlafplatz einrichten

Kläre vor allem anderen, wo dein Kind tatsächlich schläft, und mach den Platz sicher. Braucht dein Baby oder junges Kleinkind noch ein Gitterbett, bestell ein Reisebett oder bring eins mit und richte es mit einer festen, flachen Matratze ein, ohne lose Decken, Kissen oder Nestchen, nach denselben Regeln für sicheren Schlaf, die du zuhause befolgst. Hotelbetten sind nicht für kleine Kinder gemacht; die Matratze ist weich, der Sturz auf den Boden ist echt, und oft gibt es Spalten, in die ein kleiner Körper rutschen kann.

Schläft ein älteres Kleinkind in einem Bett, denk ans Herausfallen. Ein Rausfallschutz, Kissen auf dem Boden oder das Bett an die Wand geschoben verringern das Risiko eines nächtlichen Sturzes in einem ungewohnten Zimmer. Schau dabei gleich nach den üblichen Gefahren im Raum: Kabel, Wasserkocher, niedrige Fenster und die Minibar.

Das Einschlafritual nachbauen, wo immer ihr seid

Die Reihenfolge eures Einschlafrituals zählt mehr als die Umgebung. Ist es zuhause Baden, Schlafanzug, Milch, zwei Geschichten, Kuscheln und Licht aus, behaltet genau diese Reihenfolge im Hotel bei, auch wenn das Bad eine Dusche ist und das Licht eine Nachttischlampe. Vorhersehbarkeit beruhigt ein Kind, und das vertraute Ritual zeigt ihm, dass trotz des fremden Zimmers alles in Ordnung ist. Etwas früher anzufangen kann auch helfen, denn ein übermüdetes Reisekind wehrt sich stärker gegen den Schlaf.

Licht und Lärm in den Griff bekommen

Hotelzimmer sind selten so dunkel oder so ruhig wie zuhause. Straßenlaternen scheinen durch dünne Vorhänge, Flur und Nachbarn machen unberechenbare Geräusche. Ein paar Tricks helfen: Vorhänge mit einer Wäscheklammer oder Klammer zusammenklemmen, ein Mulltuch über ein zu helles Bereitschaftslicht legen und das Rauschgerät oder einen kleinen Ventilator mitnehmen, um plötzliche Geräusche zu überdecken. Frag, wenn möglich, schon bei der Buchung nach einem ruhigeren Zimmer weg vom Aufzug.

Ein Zimmer teilen

Die meisten Familien teilen sich am Ende ein Zimmer, und das bringt ein eigenes Problem: Dein Kind kann dich sehen, und zu wissen, dass du einen Meter entfernt bist, ist zur Schlafenszeit sehr aufregend. Ein Gefühl von Trennung hilft. Stell das Reisebett oder Kinderbett um eine Ecke, hinter eine offene Schranktür oder auf die andere Seite des Zimmers, außerhalb der direkten Sichtlinie. Halte das Licht gedämpft und deine eigenen Bewegungen ruhig und langweilig, wenn dein Kind liegt. Im Dunkeln auf dem Handy lesen ist besser als plaudern und rascheln.

Die erste Nacht ist meist die schwerste

Erwarte für die erste Nacht wenig, dann wirst du angenehm überrascht. Es ist völlig normal, dass ein Kleinkind in der ersten Hotelnacht öfter aufwacht, länger zum Einschlafen braucht und etwas anhänglicher ist. Reagiere ruhig und gleichbleibend, so wie zuhause, ohne neue Gewohnheiten zu erfinden, die du später wieder abgewöhnen musst. In der zweiten oder dritten Nacht haben die meisten Kinder entschieden, dass das fremde Zimmer sicher ist, und schlafen viel leichter ein.

Den Tagesrhythmus beibehalten

Der Nachtschlaf hängt stark davon ab, was tagsüber passiert. Versuch, die Schläfchen ungefähr zur gewohnten Zeit zu schützen, auch wenn das ein Schläfchen im Buggy oder eine ruhige halbe Stunde im Hotel bedeutet, denn ein Kind, das tagsüber gar nicht geschlafen hat, ist abends oft zu aufgedreht zum Einschlafen. Viel Tageslicht, Bewegung und frische Luft am Tag helfen außerdem, die innere Uhr an einem neuen Ort und in einer neuen Zeitzone einzustellen.

Wann Schlafprobleme mehr Aufmerksamkeit brauchen

Ein oder zwei unruhige Nächte im Hotel sind normal und vergehen, sobald ihr zuhause seid. Genauer hinschauen solltest du, wenn dein Kind nicht nur unruhig, sondern wirklich krank ist: Fieber, Ohrenschmerzen, die im Liegen schlimmer werden, eine Atmung, die angestrengt wirkt, oder ein Kind, das sich überhaupt nicht trösten lässt, statt sich nur gegen den Schlaf zu wehren. Dann geht es um die Gesundheit, nicht ums Hotel, und es ist vernünftig, ärztlichen Rat zu holen. Gewöhnlicher Reiseschlaf braucht aber viel mehr Geduld und euer vertrautes Ritual als eine Ärztin oder einen Arzt.

Das Wichtigste: Pack die Schlafsignale deines Kindes ein, bau das Einschlafritual genau nach, mach den Schlafplatz sicher und dunkel und rechne damit, dass die erste Nacht die wackeligste ist.

NHS, Helping your baby to sleep

WHO, Guidelines on physical activity, sedentary behaviour and sleep for children under 5 years of age