Medikamente kindersicher aufbewahren: So geht es richtig

Für ein Kleinkind sieht eine Flasche Fiebersaft aus wie Saft und eine Tablettenpackung wie Bonbons. Medikamente gehören zu den häufigsten Ursachen für Vergiftungen in der frühen Kindheit, auch weil sie oft griffbereit liegen und in Eile gegeben werden. Wer weiß, wie man Medikamente sicher aufbewahrt, und ein paar sorgfältige Gewohnheiten beim Dosieren pflegt, verhindert die meisten dieser Schreckmomente, bevor sie entstehen.

Warum Medikamente so verlockend sind

Kleine Kinder sind von Natur aus neugierig, sie machen nach, wie Erwachsene Tabletten nehmen, und viele Medikamente sind bunt oder süß. Ein Kind öffnet einen angeblich kindersicheren Verschluss schneller, als man denkt, vor allem, wenn er nicht ganz eingerastet war. Kindergesichert heißt nicht kindersicher. Deshalb ist der Ort der Aufbewahrung genauso wichtig wie die Verpackung, und sichere Aufbewahrung fängt beim Platz an, nicht beim Deckel.

Der beste Platz für Medikamente

Bewahr alle Medikamente hoch, außer Sicht und außer Reichweite auf, am besten in einem abschließbaren Medizinschrank oder auf einem hohen Regal, auf das dein Kind nicht klettern kann. Meide Handtasche, Nachttisch, Arbeitsplatte und die Fensterbank im Bad, denn genau dort finden Kinder sie am häufigsten. Das gilt für alles, nicht nur für verschreibungspflichtige Mittel: Schmerzmittel aus der Apotheke, Vitamine, Eisentabletten, Hustensaft, Mittel gegen Sodbrennen und pflanzliche Präparate können einem kleinen Kind in falscher Dosis schaden. Denk auch an die Taschen von Gästen und die Tabletten der Großeltern, die oft durch die übliche Routine rutschen.

Alles in der Originalverpackung lassen

Füll Tabletten nicht in Döschen ohne Etikett oder in Tablettenboxen, die offen herumstehen, denn auf der Originalpackung stehen Dosierung und Haltbarkeit, und sie hat den kindergesicherten Verschluss. Wochendosierer sind selten kindergesichert. Wenn du einen benutzt, schließ ihn weg wie jedes andere Medikament. Die Originalverpackung hilft im Notfall außerdem den Rettungskräften, genau zu erkennen, was ein Kind genommen haben könnte, und beschleunigt so die richtige Behandlung.

Sicher dosieren

Die meisten Fehler mit Medikamenten passieren nicht bei der Aufbewahrung, sondern beim Dosieren. Lies immer den Beipackzettel, nimm die Spritze oder den Löffel aus der Packung statt eines Küchenlöffels und dosiere nach Alter und Gewicht deines Kindes, wie angegeben. Gib keine zwei Präparate mit demselben Wirkstoff, etwa zwei verschiedene Mittel, die beide Paracetamol enthalten. Schreib die Uhrzeit jeder Gabe auf, wenn mehrere Erwachsene dein Kind versorgen, damit niemand aus Versehen doppelt gibt. Nenn Medizin nie „Bonbons“, um ein widerwilliges Kind zu überreden, denn das macht sie später umso verlockender.

Gewohnheiten, die helfen

Kleine Routinen summieren sich. Räum Medikamente direkt nach jeder Gabe weg, statt sie bis zum Abend stehen zu lassen. Dreh kindergesicherte Verschlüsse zu, bis sie klicken. Bewahr Medikamente getrennt von Lebensmitteln auf, damit nichts verwechselt wird. Prüf ein paarmal im Jahr das Haltbarkeitsdatum und frag in deiner Apotheke, wie du alte oder übrige Medikamente sicher entsorgst, statt sie offen in den Müll zu werfen, wo ein Kind herankommt, oder in die Toilette zu kippen. Diese Gewohnheiten sind das Herz der sicheren Aufbewahrung, und jede kostet nur Sekunden.

Die ganze Familie einbeziehen

Vergiftungen passieren oft in fremden Wohnungen. Wenn ihr bei Großeltern, Freunden oder der Tagesmutter seid, schau unauffällig, wo Medikamente liegen, denn ältere Menschen bewahren ihre täglichen Tabletten oft bequem erreichbar auf. Ein freundliches Gespräch darüber, an kleine Besucher zu denken, kommt meist gut an. Umgekehrt kannst du Gästen anbieten, ihre Taschen und Medikamente hoch und außer Reichweite abzulegen.

Wann du Hilfe holst

Wenn du glaubst, dass dein Kind ein Medikament geschluckt hat, warte nicht auf Beschwerden. Bleib ruhig, behalt dein Kind bei dir und ruf sofort den Giftnotruf oder den Notruf an. Halte die Packung bereit, damit du sagen kannst, was und ungefähr wie viel es genommen hat. Bring dein Kind nicht zum Erbrechen und gib ihm nichts zu essen oder zu trinken, außer eine Fachkraft sagt es dir. Sofort Hilfe brauchst du bei Schläfrigkeit, Atemnot, Erbrechen, ungewöhnlichem Verhalten, Krampfanfällen oder wenn dein Kind nicht ansprechbar ist. Auch wenn dein Kind völlig gesund wirkt: Manche Medikamente wirken langsam, deshalb ist ein Anruf immer die sicherere Wahl.

Die Sache richtig einordnen

Deine Wohnung muss dafür keine Festung werden. Ein hoher, abschließbarer Schrank und die Gewohnheit, alles gleich wegzuräumen, entschärfen den größten Teil des Risikos. Es geht nur darum, dass aus einem neugierigen Moment nichts Ernstes wird, damit Medikamente deinem Kind helfen, ohne je zur Gefahr zu werden. Sitzt die Routine erst, läuft sie von allein, und du kannst in einer kranken Nacht Fiebersaft geben, ohne dir Gedanken zu machen, was danach mit der Flasche passiert.

Das Wichtigste: Jedes Medikament hoch und verschlossen in der Originalpackung aufbewahren, sorgfältig dosieren und sofort anrufen, wenn dein Kind etwas geschluckt hat, noch bevor Beschwerden auftreten.

NHS, Poisoning

AAP HealthyChildren, Medication Safety Tips