Stürze bei Babys und Kleinkindern vermeiden
Stürze sind die häufigste Unfallursache bei Babys und Kleinkindern, und sie passieren im Bruchteil einer Sekunde, oft genau dann, wenn sich ein Baby zum ersten Mal dreht oder ein Kleinkind zum ersten Mal klettert. Weil sich die Gefahren mit jeder neuen Fähigkeit verschieben, ist Sturzvorbeugung keine einmalige Aufgabe, sondern etwas, das du in jeder Phase neu anschaust. Das Beruhigende: Die meisten schweren Stürze entstehen in wenigen vorhersehbaren Situationen, gegen die du dich gut wappnen kannst.
Neugeborene und junge Babys
Man nimmt leicht an, ein Baby, das sich noch nicht dreht, sei auf einer erhöhten Fläche sicher. Aber Babys zappeln, strampeln und drehen sich plötzlich zum ersten Mal, ohne Vorwarnung. Lass dein Baby nie unbeaufsichtigt auf dem Wickeltisch, dem Bett, dem Sofa oder in einer Wippe auf einer erhöhten Fläche. Wickle möglichst auf dem Boden oder auf einer niedrigen, breiten Fläche und lass immer eine Hand am Baby. Babyschale und Wippe stellst du auf den Boden statt auf Tisch oder Arbeitsplatte, denn Babys können sie über die Kante schaukeln.
Wenn dein Baby krabbelt und sich hochzieht
Sobald dein Baby mobil ist, öffnet sich die Welt, und mit ihr die Gefahren. Die Treppe wird zum offensichtlichen Risiko, also bau oben und unten Schutzgitter ein, oben ein fest verschraubtes Gitter statt eines Klemmgitters. Halte den Boden möglichst frei von kleinem Spielzeug und Stolperfallen und sichere rutschende Teppiche. Jetzt ist auch die Zeit, an Möbel zu denken, denn ein Baby, das sich hochzieht, greift nach allem, was am nächsten ist, vom wackeligen Blumenständer bis zum niedrigen Bücherregal.
Kleinkinder und das Klettern
Kleinkinder sind geborene Kletterer, und ihr Gespür für Gefahr hinkt ihrem Können weit hinterher. Sie erklimmen Sofas, Schubladen, Bücherregale und alles, was in Fensternähe steht. Befestige hohe oder schwere Möbel und den Fernseher an der Wand, damit sie nicht umkippen, wenn sie als Leiter dienen, denn kippende Möbel verursachen in diesem Alter einige der schwersten Verletzungen. Fenstersicherungen sorgen dafür, dass sich Fenster nicht weiter als etwa sechseinhalb Zentimeter öffnen, und Betten, Stühle und Kommoden stehen weg vom Fenster. In dieser Phase geht es genauso ums Entfernen von Trittstufen wie um Absperrungen.
Fenster und Balkone
Fenster verdienen besondere Aufmerksamkeit, weil Stürze aus der Höhe die schwersten Verletzungen verursachen. Verlass dich nie auf ein Fliegengitter, um das Gewicht eines Kindes zu halten, denn es ist nicht dafür gemacht, jemanden drinnen zu halten. Halte niedrige Möbel vom Fenster fern, damit nichts zum Klettern einlädt, nutze Fenstersicherungen oder abschließbare Griffe in oberen Stockwerken und bleib auf dem Balkon nah dabei, mit allem, worauf man klettern kann, weit weg vom Geländer. Auf der Treppe lernen ältere Kleinkinder, sich am Geländer festzuhalten und vorsichtig hinunterzugehen, die Gitter bleiben aber, bis du sicher bist, dass sie trittfest sind.
Hochstuhl, Babybett und Ausstattung
Auch Babyausstattung kann zu Stürzen führen, wenn sie falsch benutzt wird. Schnall dein Kind im Hochstuhl immer an und lass es nie darin aufstehen. Stell den Lattenrost im Babybett tiefer, sobald dein Baby sitzen und später stehen kann, und rück das Bett weg von allem, worauf es klettern oder woran es greifen könnte. Prüf, ob die Bremsen an Kinderwagen, Buggy und Hochstuhl funktionieren, und benutz sie jedes Mal. Verzichte auf Lauflernhilfen mit Rollen (Babywalker), die mit Stürzen in Verbindung stehen, besonders an Treppen, und von denen Gesundheitsempfehlungen abraten.
Die Umgebung weicher machen
Du kannst nicht jeden Plumps verhindern, und Laufenlernen heißt ganz natürlich, oft hinzufallen. Entscheidend ist, die Höhe und die Härte dessen zu verringern, worauf ein Kind fallen könnte. Halte harte Möbel mit scharfen Ecken von belebten Spielflächen fern, nutze Kantenschutz, wo es hilft, und gib deinem Kind sichere, niedrige Orte zum Klettern und Balancieren, damit es weniger von riskanten angezogen wird. Ein Teppich oder eine Spielmatte auf hartem Boden in der Hauptspielecke ist ein kleiner, hilfreicher Schutz.
Wann du Hilfe holst
Die meisten kleinen Stürze enden mit einer Beule und einer Umarmung. Hol aber sofort ärztliche Hilfe nach einem Sturz, wenn dein Kind bewusstlos war, auch nur kurz, schwer wach zu bekommen ist, mehr als einmal erbricht, einen Krampfanfall hat, verwirrt oder ungewöhnlich schläfrig wirkt, klare Flüssigkeit oder Blut aus Nase oder Ohren kommt oder es einen Arm oder ein Bein nicht normal benutzt. Auch Stürze aus größerer Höhe, auf harten Boden oder kopfüber auf Beton gehören abgeklärt. Vertrau deinem Gefühl: Wirkt dein Kind in den Stunden nach einem Sturz nicht wie sonst, hol Rat, und wähle den Notruf bei allem, was ernst aussieht.
Mit Augenmaß
Stürze gehören zu einem Kind, das sich bewegen lernt, und ein paar blaue Flecken sind Teil gesunder Entwicklung, kein Zeichen, dass du etwas falsch gemacht hast. Ziel ist es, die Stürze zu verhindern, die wirklich verletzen, aus der Höhe, die Treppe hinunter oder unter kippenden Möbeln, und deinem Kind trotzdem die Freiheit zu lassen, zu wackeln und zu klettern, denn das macht es stark und mutig. Schau dir deine Wohnung bei jeder neuen Fähigkeit wieder an und lass dein Kind in sichereren Grenzen entdecken.
Das Wichtigste: Ein Baby nie auf einer erhöhten Fläche allein lassen, Treppen absichern, hohe Möbel befestigen, Fenster sichern und schnell Hilfe holen, wenn nach einem Sturz Schläfrigkeit, Erbrechen oder ungewöhnliches Verhalten auftreten.