Wohnung kindersicher machen: Checkliste Raum für Raum

Sobald dein Baby sich dreht, nach allem greift und schließlich losrobbt, sieht deine Wohnung plötzlich ganz anders aus. Schrankgriffe, herumliegende Kabel und die Ecke vom Couchtisch bekommen eine neue Bedeutung. Wenn du Raum für Raum vorgehst, wird aus einem diffusen Unbehagen eine Reihe kleiner, machbarer Aufgaben. Und du kümmerst dich zuerst um das, was am gefährlichsten ist, statt alles auf einmal perfekt machen zu wollen.

Erst auf Augenhöhe deines Kindes schauen

Bevor du auch nur einen Steckdosenschutz kaufst, geh in jedem Zimmer auf alle viere. Aus dieser Höhe siehst du, was dein Kind sieht: die Steckdose knapp über dem Boden, die wackelige Stehlampe, das kleine Teil unter dem Sofa. Dieser Perspektivwechsel ist der wertvollste Teil der ganzen Checkliste, weil er dir die echten Gefahren zeigt und nicht nur die, die du erwartest.

Wohnzimmer und gemeinsame Räume

Hier verbringt die Familie die meiste Zeit, deshalb lohnt sich ein genauer Blick. Befestige Bücherregale, Kommoden und den Fernseher an der Wand, denn umkippende Möbel und Bildschirme sind eine bekannte Ursache schwerer Verletzungen. Kantenschutz an niedrigen Glastischen oder scharfen Ecken hilft, sobald sich dein Kind in der Nähe hochzieht. Fernbedienungen, Münzen, Batterien und Spielzeug mit abnehmbaren Kleinteilen gehören außer Reichweite, und Kabel verschwinden hinter Möbeln oder in einem Kabelkanal, damit niemand daran zieht oder darauf kaut.

Die Küche

In der Küche treffen Hitze, Messer und Putzmittel aufeinander, deshalb braucht sie meist die meisten Änderungen. Koch möglichst auf den hinteren Platten und dreh Pfannenstiele nach innen. Messer, Reiniger und Spülmaschinentabs kommen in einen hohen oder abschließbaren Schrank, nie unter die Spüle, wo kleine Hände zuerst suchen. Heiße Getränke stehen weit weg von der Kante, denn eine Tasse Tee ist etwa fünfzehn Minuten lang heiß genug, um ein kleines Kind zu verbrühen. Eine eigene Ecke mit ungefährlichen Töpfen und Kochlöffeln gibt einem neugierigen Kleinkind etwas zu tun, während du kochst.

Das Badezimmer

Wasser und Medikamente machen das Bad gefährlicher, als es aussieht. Lass ein Baby oder Kleinkind nie allein in der Badewanne, auch nicht für einen Moment, denn ein kleines Kind kann schon in wenigen Zentimetern Wasser ertrinken. Stell den Thermostat für das Warmwasser auf eine sichere Temperatur, lass zuerst kaltes Wasser einlaufen und prüf die Temperatur mit dem Ellbogen. Medikamente, Mundspülung, Rasierer und Kosmetik gehören in einen abschließbaren oder hohen Schrank. Eine rutschfeste Matte und eine Sicherung für den Toilettendeckel runden das Ganze ab.

Schlafzimmer und Kinderzimmer

Im Babybett haben Kissen, Nestchen und Kuscheltiere nichts zu suchen, und das Bett steht nicht am Fenster, nicht neben Schnüren von Rollos oder Jalousien und nicht direkt an der Heizung. Sobald sich dein Kind hochziehen kann, stellst du den Lattenrost tiefer und räumst alles weg, was als Trittstufe dienen könnte. In den Zimmern größerer Kinder werden hohe Möbel an der Wand befestigt, ungenutzte Steckdosen gesichert und Schnüre von Rollos hoch und außer Reichweite festgebunden, weil Schlaufen zur Strangulationsfalle werden können.

Treppen, Fenster und Türen

Eine Treppe braucht zwei Schutzgitter: eines oben, fest mit der Wand verschraubt, und eines unten, damit dein Kind nicht unbeaufsichtigt hinaufklettert. Fenstersicherungen sorgen dafür, dass sich Fenster nicht weiter als etwa sechseinhalb Zentimeter öffnen lassen. Stell kein Bett, Sofa und keine Kommode unter ein Fenster, auf das ein Kind klettern könnte. Türstopper schützen kleine Finger, und ein Rauchmelder auf jeder Etage, den du monatlich testest, schützt die ganze Familie.

Aus der Liste wird eine Gewohnheit

Kindersicher wird eine Wohnung nicht an einem Nachmittag. Kinder wachsen, lernen Neues und kommen alle paar Wochen ein Stück höher, sodass eine Gefahr, die letzten Monat noch außer Reichweite war, heute erreichbar sein kann. Geh deine Räume jedes Mal neu durch, wenn dein Kind einen neuen Schritt macht, etwa sitzen, krabbeln, sich an Möbeln entlanghangeln oder klettern. Eine kurze Liste im Handy mit allem, was noch zu tun ist, macht die Sache überschaubar statt endlos.

Wann du dir Hilfe holst

Das meiste lässt sich gut selbst erledigen. Ruf aber sofort die Kinderarztpraxis oder den Notruf an, wenn dein Kind eine Knopfbatterie, einen Magneten oder ein Medikament verschluckt hat, schwer atmet oder nach einem Sturz aus der Höhe schläfrig wird, erbricht oder sich ungewöhnlich verhält. Speicher dir die Nummer des Giftnotrufs für deine Region, und wenn du unsicher bist, wie dringend etwas ist, frag lieber einmal zu viel. Niemand erwartet, dass Eltern jeden Unfall verhindern, und schnell Rat zu holen ist gute Fürsorge, kein Versagen.

Eine Checkliste Raum für Raum schenkt dir vor allem Ruhe. Sie beseitigt nicht jedes Risiko und ersetzt nie das Aufpassen, aber sie senkt die Gefahr schwerer, vermeidbarer Verletzungen in der Zeit, in der dein Kind Gefahren noch nicht versteht. Erledige das Große zuerst, schau wieder hin, wenn dein Kind wächst, und lass die Liste das Mitdenken übernehmen, damit du dich am Entdecken freuen kannst.

Das Wichtigste: Geh Raum für Raum vor, kümmere dich zuerst um die größten Gefahren und nimm dir die Liste bei jedem neuen Entwicklungsschritt wieder vor.

NHS, Baby and toddler safety

AAP HealthyChildren, Childproofing Your Home