Baby, Kleinkind und Haustier: So bleibt es sicher

Mit einem Haustier aufzuwachsen kann für Kinder wunderbar sein: Sie lernen Sanftheit, Verantwortung und Freundschaft. Trotzdem sind Tiere und sehr kleine Kinder eine unberechenbare Mischung, denn ein Kleinkind kann die Warnsignale eines Tieres nicht lesen, und ein erschrecktes oder verletztes Tier schnappt oder kratzt vielleicht. Die meisten Vorfälle passieren mit dem vertrauten Familienhund, nicht mit einem fremden. Genau deshalb geht es um Aufsicht und Verständnis und nicht um die Annahme, ein sanftes Tier halte immer alles aus.

Nie zusammen allein lassen

Die wichtigste Regel überhaupt ist Aufsicht. Egal wie vertraut, ruhig und lieb dein Tier ist, lass ein Baby oder kleines Kind nie allein mit Hund, Katze oder einem anderen Tier, auch nicht für einen Moment. Kinder bewegen sich plötzlich, greifen zu, piksen und machen unerwartete Geräusche, und auch das geduldigste Tier hat Grenzen. Aufsicht heißt, im selben Raum zu sein, hinzuschauen und eingreifen zu können, nicht aus dem Nebenzimmer zuzuhören. Wenn du nicht direkt dabei sein kannst, trennst du die beiden sicher mit Türgitter, Hundebox, einem anderen Zimmer oder dem Laufgitter.

Die Körpersprache deines Tieres lesen

Tiere geben meist Warnzeichen, bevor sie reagieren, und wer sie kennt, kann früh eingreifen. Bei Hunden achtest du auf Lefzenlecken, Gähnen ohne Müdigkeit, Abwenden von Kopf oder Körper, sichtbares Augenweiß, steifen Körper, eingeklemmten Schwanz, Knurren oder Weggehen. Bei Katzen zeigen angelegte Ohren, ein peitschender Schwanz, Ducken und Fauchen, dass sie in Ruhe gelassen werden wollen. Das sind Bitten um Abstand, keine Unart, und wer sie respektiert, verhindert die meisten Bisse und Kratzer. Mit der Zeit lernt auch dein Kind, dass diese Zeichen bedeuten: Das Tier braucht eine Pause.

Dem Tier einen Rückzugsort geben

Tiere kommen viel besser zurecht, wenn sie sich einer Situation entziehen können. Sorg dafür, dass dein Tier immer einen sicheren Ort ohne Kinder hat, etwa ein Körbchen, eine Box oder einen hohen Platz, an dem es nicht verfolgt oder gestört wird. Erklär deinem Kind, dass dieser Ort tabu ist und das Tier dort nicht angefasst wird. Füttere Tiere dort, wo das Kind nicht hinkommt, denn viele verteidigen ihr Futter, und halte Näpfe, Leckerlis und Tierspielzeug aus Kleinkindhänden fern.

Sanften, respektvollen Umgang zeigen

Kinder müssen geduldig und immer wieder gezeigt bekommen, wie man mit Tieren umgeht. Führ die Hand deines Kindes, damit es sanft über Rücken oder Seite streichelt statt über Gesicht, Schwanz oder Pfoten, und erklär, dass man ein Tier nicht fest drückt, sich nicht draufsetzt oder anlehnt, nicht an Ohren oder Fell zieht und es beim Schlafen oder Fressen nicht stört. Verzichte auf Spiele mit Jagen, Necken oder Raufen. Zeig, wie man ein freundliches Tier zuerst an einer ruhigen Hand schnuppern lässt, und lob sanftes Verhalten herzlich. Das braucht Zeit, also halte Begegnungen kurz, ruhig und immer begleitet, solange dein Kind sehr klein ist.

Hygiene rund ums Tier

Neben Bissen und Kratzern hält Alltagshygiene alle gesund. Wasch deinem Kind nach dem Streicheln und vor dem Essen die Hände, und halte Tiere von den Orten fern, an denen Essen zubereitet und gegessen wird. Räum Hundekot und Katzenkot zügig weg und stell Katzenklos und Lösestellen draußen weit weg von den Spielorten der Kinder, denn Tierkot kann Krankheitserreger und Parasiten übertragen. Halte Entwurmung, Flohschutz und Impfungen deines Tieres aktuell und deck den Sandkasten ab, wenn er nicht benutzt wird, damit Katzen ihn nicht als Toilette nehmen. Lass dein Tier deinem Kind nicht das Gesicht ablecken, besonders nicht um den Mund.

Haustier und neues Baby

Ist das Tier vor dem Baby da, hilft eine behutsame Gewöhnung. Lass dein Tier vor der Geburt Babysachen, Geräusche und Gerüche kennenlernen und halte seinen Tagesablauf danach so stabil wie möglich. Wenn das Baby nach Hause kommt, darf das Tier es unter enger Kontrolle in Ruhe beschnuppern, statt ganz ausgesperrt zu werden, was Frust aufbauen kann. Lass Baby und Tier nie unbeaufsichtigt zusammen, halte das Tier aus Babybett und Schlafbereich fern und schenk ihm gute Aufmerksamkeit, damit es das Baby nicht nur mit Ausgeschlossenwerden verbindet.

Wann du Hilfe holst

Jeder Tierbiss, der die Haut verletzt, sollte gereinigt und ärztlich angeschaut werden, denn Bisse können sich entzünden, und manche brauchen ein Antibiotikum oder eine Prüfung des Tetanusschutzes. Hol ärztlichen Rat bei Bissen an Händen, Gesicht oder über einem Gelenk, bei tiefen oder verschmutzten Wunden, bei einer Wunde, die rot, geschwollen, heiß oder schmerzhaft wird, oder wenn dein Kind danach krank wirkt. Wähle den Notruf bei schweren Bissen, starker Blutung oder einem Biss in Gesicht oder Hals. Lass dich auch beraten, wenn dein Kind einen Ausschlag, Atemprobleme oder Schwellungen bekommt, die auf eine Allergie gegen ein Tier hindeuten könnten. Verändert sich das Verhalten deines Tieres oder wird es aggressiv, frag in der Tierarztpraxis um Rat.

Positiv bleiben

Das alles heißt nicht, dass Tiere und Kinder kein glückliches Zuhause teilen können, Millionen Familien tun es sicher und fröhlich. Das Wichtigste ist beständig und beruhigend: jede Begegnung begleiten, die Signale deines Tieres kennen, ihm einen sicheren Rückzugsort geben, sanften Umgang zeigen und Hygiene einfach halten. Dann kann die Freundschaft zwischen Kind und Familientier zu den schönsten Seiten des Aufwachsens gehören.

Das Wichtigste: Ein Baby oder Kleinkind nie allein mit einem Tier lassen, die Warnsignale kennen, dem Tier einen Rückzugsort geben, sanften Umgang zeigen und Bisse, die die Haut verletzen, ärztlich anschauen lassen.

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