Zweisprachig aufwachsen: Spricht mein Kind deshalb später?
Zu Hause Türkisch, Polnisch oder Englisch, in der Kita Deutsch, und dein Kind sagt mit zwei Jahren weniger Wörter als die anderen. Schnell kommt von Verwandten oder in der Kita der Rat, lieber nur noch Deutsch zu sprechen. Ein besserer erster Schritt ist, die Verständigung über alle Sprachen hinweg zu zählen. Denn Verständigung ist mehr als eine Wortzahl: Dazu gehören Verstehen, Gesten, Laute, deutliches Sprechen, Spielen und das Hin und Her mit anderen. Es geht nicht darum, dass dein Kind etwas vorführt, sondern darum, seine Verständigung zu verstehen und abklären zu lassen, wenn Fortschritt, Hören oder dein Gefühl das nahelegen.
Kurz gesagt
Mit mehr als einer Sprache aufzuwachsen, verursacht keine Störung beim Sprechen oder bei der Sprache. Der Wortschatz verteilt sich auf die Sprachen. Wer nur eine davon zählt, unterschätzt leicht, was ein Kind weiß. Eine echte Schwierigkeit zeigt sich meist in allen Sprachen des Kindes.
Was das im Alltag heißt
Familien sollten die Sprachen sprechen, in denen sie sich reich und natürlich verständigen können, und eine Familiensprache nicht ohne Abklärung aufgeben. Eine Untersuchung sollte jede Sprache berücksichtigen und, wenn nötig, mit Dolmetschern oder mehrsprachigen Fachleuten arbeiten, statt nur das Deutsch des Kindes als ganzes Bild zu nehmen.
Worauf du zuerst achtest
Zähl die spontane Verständigung in allen Sprachen und Umgebungen: wiederkehrende Wortversuche, Gesten, Verstehen, Spielen und gemeinsame Aufmerksamkeit. Eine Abklärung durch mehrsprachige Fachleute sollte das ganze Sprachprofil anschauen, mit passender mehrsprachiger Kompetenz oder Dolmetschung, statt nur das Deutsch als Gesamtfähigkeit des Kindes zu werten.
Ein Plan, der funktioniert
- Zähl die Verständigung in allen Sprachen.
- Sprich weiter die Familiensprachen, in denen ihr euch am reichsten ausdrückt.
- Gib keine Sprache ohne Abklärung auf.
- Such dir eine passende mehrsprachige Abklärung.
Fang im normalen Alltag damit an, alle Sprachen zu zählen und weiter in euren stärksten Sprachen zu sprechen, in der Sprache, in der jede Bezugsperson am besten mit deinem Kind in Verbindung ist. Folge seiner Aufmerksamkeit, warte auf jedes bedeutungsvolle Signal und erweitere die Botschaft ganz natürlich, ohne eine Übersetzung zu verlangen und ohne eine Familiensprache als ungeprüfte Behandlung zu streichen.
Wie die Schritte zusammenpassen
Zuerst zählst du die Verständigung in allen Sprachen. Dann sprecht ihr weiter eure stärksten Familiensprachen, gebt keine Sprache ohne Abklärung auf und sucht, wenn nötig, eine mehrsprachige Abklärung. Nimm jede Reaktion deines Kindes an und zeig ihm einen nützlichen nächsten Schritt, ohne eine Vorführung zu verlangen.
Mit allen, die dein Kind betreuen, abstimmen
Einigt euch auf die ersten beiden Schritte, „in allen Sprachen zählen“ und „weiter die stärksten Familiensprachen sprechen“, damit dein Kind überall eine wiedererkennbare Antwort bekommt, auch wenn Oma Arabisch, Papa Deutsch und die Kita wieder anders spricht. Alle sollten Gesten und alle Familiensprachen mitzählen, solange das Sprechen sich noch entwickelt.
Eine Zeit lang hinschauen
Zähl die Verständigung über mehrere normale Gelegenheiten, statt an einem besonders leichten oder schweren Tag zu urteilen. Notiere die Umstände, die Reaktion deines Kindes und wie es der Familie damit geht. Halte die Notizen kurz, damit das Beobachten nicht selbst zum Druck wird.
Schau nach einer Weile, ob ihr wirklich keine Sprache aufgegeben habt und wie sich das Muster entwickelt. Behalte, was dein Kind sicherer oder deutlicher mitmachen ließ, vereinfache, was ihr nicht durchhaltet, und ändere immer nur eine Sache, außer eine Sorge um Gesundheit, Sicherheit oder Entwicklung macht eine fachliche Abklärung dringender.
Was du beeinflussen kannst und was nicht
Die Familiensprachen gehören euch: Ihr könnt in euren stärksten Sprachen reich und aufmerksam mit eurem Kind sprechen, aber ihr könnt es nicht dazu bringen, ein Wort auf Kommando zu sagen. Mehrere Sprachen erzeugen keine Störung, und echte Sorgen verdienen eine Abklärung in allen Sprachen.
Sicherheit und Würde
Lass die mehrsprachige Abklärung von Fachleuten für Logopädie und Hören machen, mit Dolmetschern oder mehrsprachigen Fachkräften, wenn nötig. Vermeide es, dein Kind vor anderen abzufragen, Nachsprechen zu erzwingen oder Ratschlägen zu folgen, die eine wichtige Familiensprache streichen, ohne die Verständigung deines Kindes in dieser Sprache überhaupt angeschaut zu haben.
Was oft dazwischenfunkt
Der Plan wird schwierig, wenn öfter abgefragt als geredet wird, Nachsprechen verlangt wird, eine klare Geste absichtlich nicht verstanden wird oder endlos abgewartet wird, obwohl der Fortschritt stockt. Aufmerksames Miteinander und fachliche Abklärung haben unterschiedliche Aufgaben, und keins von beiden sollte zur Prüfung werden.
Woran du Fortschritt erkennst
Zähl neue Gesten, mehr Verstehen, neue Wörter und Wortkombinationen in allen Sprachen zusammen, statt in jeder Sprache gleich viele Wörter zu erwarten. Ein wachsender Gesamtwortschatz ist ermutigend. Schwierigkeiten in allen Sprachen, unsicheres Hören oder verlorene Fähigkeiten sollten trotzdem fachlich angeschaut werden.
Wenn du dir etwas notierst, schreib die Situation, die Sprache und das Mitmachen auf, nicht nur, wie oft etwas passiert ist. So beruhen spätere Entscheidungen auf der normalen Verständigung und nicht auf einer abgefragten Prüfung.
Wann du dir Hilfe holst
Sprich mit der Kinderarztpraxis und einer Fachkraft für Logopädie, wenn Verstehen, Sprechen, Deutlichkeit, Redefluss oder die Verständigung mit anderen nicht vorankommen, das Hören unsicher ist, der Frust groß ist oder eine Fähigkeit verloren geht. Du musst weder eine Diagnose kennen noch abwarten, bis dein Kind einen bestimmten Wert verfehlt, um nachzufragen, und die Abklärung sollte jede Sprache berücksichtigen, die dein Kind spricht.
Was du mitnehmen kannst
Mehrsprachigkeit ist ein Geschenk und keine Ursache für eine Sprachstörung. Zähl alle Sprachen, bleib bei euren stärksten Familiensprachen, beobachte die Richtung über die Zeit und hol dir eine mehrsprachige fachliche Einschätzung, wenn du unsicher bist.
Das Wichtigste: Alle Sprachen zusammenzählen: ein machbarer erster Schritt, der ein viel vollständigeres Bild zeigt.
ASHA, Communication milestones