Naturspaziergang mit Kleinkind: So fangt ihr an
Ein Kleinkind erlebt einen Spaziergang ganz anders als du. Wo du einen Weg von der Haustür bis zum Bäcker an der Ecke siehst, sieht dein Kind eine Schnecke an der Mauer, eine Pfütze, in die man ganz offensichtlich springen muss, und eine Hecke, in die man unbedingt hineinspähen sollte. Sobald du akzeptierst, dass Gehen mit einem kleinen Kind eigentlich eine Kette winziger Forschungsreisen ist, wird der ganze Ausflug entspannter. Du legst keine Strecke zurück. Du leistest einem jungen Kopf Gesellschaft, der die Welt aus nächster Nähe studiert.
Was Kleinkinder draußen wirklich gewinnen
Kleine Kinder lernen mit dem ganzen Körper. Sie fassen an, kippen um, lassen fallen, klettern und probieren mit dem Mund, weil ein junges Gehirn so herausfindet, wie sich Dinge verhalten. Draußen bekommen sie dieses Rohmaterial umsonst: unebenen Boden zum Balancieren, Rinde und Blätter zum Fühlen, Vogelgesang, nach dem man den Kopf dreht. Ein Naturschutzgebiet oder eine ausgedruckte Liste braucht es nicht. Ein Grünstreifen am Straßenrand, eine Reihe Straßenbäume oder eine verwilderte Ecke im Park bieten einem zweijährigen Kind mehr als genug.
Vorbereiten, ohne lange zu grübeln
Halte die Vorbereitung schlank. Zieh dein Kind wetterfest und eine Schicht wärmer an, denn kleine Körper kühlen schnell aus, wenn sie stehen bleiben, um etwas zu untersuchen. Gute Schuhe, eine Extraschicht und eine frische Windel vor dem Losgehen verhindern die meisten Tränen. Für alles, was länger ist als eine kurze Runde, nimm Wasser und einen kleinen Snack mit. Wenn möglich, hab den Kinderwagen oder Buggy dabei, damit müde Beine irgendwo landen können, aber plane echte Zeit zu Fuß ein. Denk in Minuten, nicht in Kilometern. Zehn gemütliche Minuten in der Nähe sind meist besser als ein langer Marsch, den ihr beide nur noch durchhaltet.
Dein Kind bestimmt das Tempo
Die größte Veränderung ist, nicht mehr zu lenken. Geht bis zu einem Stück Grün, und dann übergib das Tempo. Will dein Kind vier Minuten lang am selben Gully hocken, lass es. Dieses Hocken ist keine verschwendete Zeit, es ist Konzentration, und Konzentration ist eine Fähigkeit, die man früh schützen sollte. Du kannst seine Aufmerksamkeit sanft erweitern, indem du nachmachst, was es tut, es benennst und dann wieder still wirst. Lange Stille ist in Ordnung. Kinder denken in den Pausen.
Einfache Wege, Neugier zu wecken
Spiele musst du selten erfinden, aber an zähen Tagen helfen ein paar offene Anstöße. Bitte dein Kind, etwas Raues und etwas Glattes zu finden, oder auf das lauteste und dann das leiseste Geräusch zu horchen. Sucht von jeder Farbe ein Ding. Folgt einer Ameise und schaut, wohin sie läuft. Achtet darauf, was sich seit dem letzten Mal verändert hat. Stell echte Fragen, kein Quiz, und lass deine Idee sofort fallen, wenn dein Kind etwas Besseres entdeckt. Seine Entdeckung schlägt immer deinen Plan.
Bequem und sicher unterwegs
Bequemlichkeit hält den Ausflug angenehm, und ein paar Gewohnheiten halten ihn sicher. Vereinbart eine einfache Grenze, etwa dass ihr euch immer sehen könnt, und an Straßen, am Wasser und auf Parkplätzen wird ohne Diskussion Hand gehalten. Kleinkinder stecken Dinge in den Mund, deshalb lohnt es sich, früh zu vermitteln: Natur schauen wir an und fassen sie sanft an, aber wir essen sie nicht, denn manche Beeren, Samen und Pilze sind giftig. Bei warmem, sonnigem Wetter helfen Schatten, Hut und Sonnencreme, und biete oft Wasser an. Bei Kälte achte auf ein Kind, das still und reglos geworden ist. Das kann heißen, dass es friert, nicht dass es ruhig ist.
Wenn dein Kind die Lust verliert
Das Interesse kleiner Kinder kommt in kurzen Schüben, und das ist völlig normal. Lässt sich dein Kind fallen, quengelt oder rennt Richtung Zuhause, hat der Spaziergang wahrscheinlich seinen Zweck erfüllt. Statt mehr herauszuholen, setz ein natürliches Ende: ein letzter Stein in den Gully, einem Baum zuwinken, dann zurück. Wer aufhört, solange es noch einigermaßen gut läuft, macht Lust aufs nächste Mal, und das zählt viel mehr als die Strecke. An manchen Tagen dauert das Ganze fünf Minuten. Auch das zählt.
Eine Gewohnheit daraus machen
Zeit draußen wirkt am besten als Rhythmus, nicht als besonderes Ereignis. Eine kurze tägliche Runde, auch eine langweilige, zeigt deinem Kind, dass Rausgehen einfach zu eurer Familie gehört. Durch die Wiederholung bemerkt ein Kleinkind auch Veränderungen, und dort wächst echte Neugier: Der Baum, der kahl war, ist jetzt grün, die Pfütze von gestern ist verschwunden. Schönreden musst du nichts. Die Regelmäßigkeit wirkt ganz leise. Damit es an vollen Tagen klappt, häng den Spaziergang an etwas Festes, etwa nach dem Frühstück oder vor dem Abendbrot.
Kurz zu Gesundheit und Sicherheit
Die meisten Spaziergänge brauchen nicht mehr Vorsicht als gesunden Menschenverstand. Hol dir aber Rat, wenn dein Kind schon bei leichter Bewegung ungewöhnlich außer Atem ist, viel schneller ermüdet als andere Kinder im selben Alter oder nach einem Insektenstich heftig reagiert, mit Schwellungen im Gesicht oder an den Lippen oder mit Atemproblemen. Das braucht sofort ärztliche Hilfe. In vielen Gegenden leben Zecken im hohen Gras und im Wald, also sucht die Haut danach ab und sprich mit der Kinderarztpraxis, wenn du eine festgesaugte Zecke findest oder einen Ausschlag bemerkst, der sich ausbreitet. Das sind seltene Ereignisse, keine Gründe, drinnen zu bleiben.
Das Wichtigste: Geht bis zu einem Stück Grün und lass dann dein Kleinkind führen. Kurz, sicher und regelmäßig, dann wächst seine Neugier von ganz allein.
NHS, Physical activity guidelines for children under 5 years
WHO, Guidelines on physical activity, sedentary behaviour and sleep for children under 5