Jahreszeiten entdecken mit Kindern: Veränderungen bemerken
Kleine Kinder leben ganz im Jetzt, das macht einen Teil ihres Zaubers aus. Es bedeutet aber auch, dass das langsame Drehen des Jahres an ihnen vorbeigehen kann, wenn niemand darauf zeigt. Der kahle Baum, der plötzlich blüht, die langen hellen Abende, die zu dunklen Nachmittagen schrumpfen, der erste Raureif auf der Wiese: Diese Veränderungen sind überall, und wer sie bemerkt, bekommt eine wunderbare Naturbildung und ein frühes Gefühl dafür, wie Zeit vergeht. Das Gute daran: Es braucht keinen besonderen Aufwand, nur die Gewohnheit, hinzuschauen und darüber zu reden.
Warum es sich lohnt, auf die Jahreszeiten zu achten
Der Wechsel der Jahreszeiten ist eines der reichsten und verlässlichsten Muster der Natur. Er zeigt einem Kind, dass die Welt in Kreisläufen läuft, die man vorhersagen und auf die man sich freuen kann. Er baut auch ein Zeitgefühl auf, das kleine Kinder abstrakt kaum fassen, aber leicht spüren, wenn derselbe Baum im Juni und im Dezember völlig anders aussieht. Jahreszeiten bemerken heißt eigentlich: über die Zeit beobachten, vergleichen, was jetzt da ist, mit dem, was vorher da war. Diese Fähigkeit, Veränderung zu verfolgen, trägt Naturwissenschaft, Gedächtnis und ein ruhiges Gefühl für den Rhythmus des Jahres.
Einen Baum, einen Strauch oder ein Fleckchen adoptieren
Der beste Trick überhaupt: Sucht euch eine Stelle aus und beobachtet sie das ganze Jahr. Ein Baum in der Nähe eurer Wohnung, ein Strauch im Park oder auch ein Blumenkasten, den ihr oft besucht und jedes Mal schaut, was sich verändert hat. Ein Kind, das sieht, wie derselbe Baum von kahlen Ästen zu Knospen, zu Blättern, zu Blüten oder Früchten und dann zu fallendem Laub wird, erlebt die Jahreszeiten viel lebendiger, als ein Buch sie je zeigen könnte. Macht bei jedem Besuch ein Foto oder malt ihn, damit ihr zurückschauen und vergleichen könnt. Diese eine einfache Gewohnheit bringt mehr als alles andere, weil die gleichbleibende Stelle die Veränderung unübersehbar macht.
Mit allen Sinnen bemerken
Jahreszeiten sieht man nicht nur, man fühlt, hört und riecht sie, also nutzt alle Sinne. Im Frühling merkt ihr, wie die Wärme zurückkommt, riecht frisch gemähtes Gras, hört den Vogelgesang lauter werden und seht die ersten Blüten. Im Sommer spürt ihr die Hitze, hört das Summen der Insekten, erlebt lange helle Abende. Im Herbst schlurft ihr durch raschelndes Laub, riecht die feuchte Erde, seht die frühe Dunkelheit kommen. Im Winter fühlt ihr Kälte und Frost, seht euren Atem in der Luft, bemerkt kahle Bäume und kurze Tage. Wenn du diese Sinneseindrücke benennst, versteht dein Kind das Jahr mit dem ganzen Körper, und ein gewöhnlicher Spaziergang wird zur Jagd nach der Jahreszeit.
Jahreszeiten mit dem Alltag verbinden
Für ein Kind werden Jahreszeiten greifbar, wenn sie mit seinen eigenen Abläufen zu tun haben. Sprecht darüber, wie ihr euch im Laufe des Jahres anders anzieht, vom Sonnenhut bis zur Wollmütze, und warum. Achtet darauf, was es gerade zu essen gibt, Erdbeeren im Sommer oder Kürbisse im Herbst. Zeig deinem Kind die Tiere und ihr Verhalten, von nistenden Vögeln im Frühling über Spinnen im Herbst bis zu den wenigen Tieren, die im Winter unterwegs sind. Feiert die Feste und Familienereignisse, die in jede Jahreszeit fallen, etwa Ostern, Sankt Martin oder Weihnachten. Solche Alltagsverbindungen zeigen deinem Kind, dass Jahreszeiten nicht nur Wetter sind, sondern ein ganzes Muster, das prägt, wie alle leben. Dadurch bekommt das Bemerken Sinn, statt abstrakt zu bleiben.
Den Jahreszeiten Wörter und Spiele geben
Ein wenig Struktur hilft einem kleinen Kind, die Idee von vier Jahreszeiten festzuhalten. Nennt sie oft und erzählt, wie jede ist, vielleicht mit einem einfachen Sortierspiel, welche Kleidung oder welche Beschäftigung zu welcher Jahreszeit gehört. Lest Bilderbücher, die ein ganzes Jahr begleiten, singt Lieder zu den Jahreszeiten und bastelt mit dem, was die Jahreszeit hergibt, etwa Collagen aus Herbstlaub oder Bilder mit Frühlingsblüten. Ein selbst gebasteltes Jahreszeitenrad oder eine Tafel an der Wand, an der dein Kind ergänzt, was es entdeckt hat, macht sichtbar, wie das Bemerken wächst. Bleibt spielerisch, denn es geht um Freude am wechselnden Jahr, nicht um eine Prüfung.
Jetzt mit früher vergleichen
Die eigentliche Kunst beim Bemerken der Jahreszeiten ist das Vergleichen, also mach es ausdrücklich. Überleg laut, ob der Baum beim letzten Mal auch so aussah, oder bitte dein Kind, sich zu erinnern, wie der Park im Sommer war, jetzt wo es kalt ist. Eure Fotos oder Bilder von derselben Stelle machen das greifbar und sorgen oft für echtes Staunen. Vorfreude funktioniert auch: Frag, was wohl als Nächstes mit dem Baum passiert, welche Jahreszeit kommt und was sie bringen könnte. Dieses sanfte Hin und Her zwischen Erinnern und Vorhersagen ist genau die Gewohnheit des Beobachtens, die du wachsen lassen möchtest.
Das ganze Jahr dranbleiben
Jahreszeiten bemerken ist ein Marathon, kein Sprint, und seine Kraft kommt aus der Ausdauer. Bau es in das ein, was ihr ohnehin tut, etwa ein Satz über die Jahreszeit beim täglichen Spaziergang, dann kostet es keine Extrazeit. Rechne damit, dass manche Jahreszeiten dein Kind mehr packen als andere, und folge seinem Interesse, ob das Kastanien im Herbst oder Eisblumen im Winter sind. Über ein ganzes Jahr und erst recht über mehrere Jahre baut dein Kind ein tiefes, gefühltes Verständnis des Kreislaufs auf, das keine einzelne Lektion geben könnte. Dieses geduldige, wiederholte Hinschauen ist der ganze Sinn.
Kurz zu Wohlbefinden und Sicherheit
Wer die Jahreszeiten beobachtet, ist bei jedem Wetter draußen, also zieh dein Kind passend an, damit es angenehm und sicher bleibt. Denk bei hellem Sommerwetter an Sonnenschutz, pack dein Kind bei Kälte warm ein und achte darauf, ob ihm zu kalt oder zu warm wird. Sei im Winter auf glattem oder nassem Boden vorsichtig und halte die Ausflüge bei rauem Wetter kurz und fröhlich. Kinder, denen es gut geht, bemerken weiter; frierende, unglückliche Kinder nicht.
Das Wichtigste: Beobachtet einen Baum oder eine Stelle das ganze Jahr, bemerkt jede Jahreszeit mit allen Sinnen und vergleicht jetzt mit früher, damit Veränderung sichtbar wird.
NHS, Physical activity guidelines for children under 5 years