Kleinkind klettert überall hoch: So passt du die Kindersicherung an

Irgendwann in der Kleinkindzeit hört der Boden auf, die Grenze zu sein. Eben noch tapst dein Kind fröhlich herum, und am nächsten Tag hängt es auf halber Höhe im Bücherregal oder thront auf der Sofalehne und greift nach der Fensterbank. Klettern ist ein gesunder, normaler Drang, die Welt und den eigenen Körper zu erkunden, aber es verändert die Gefahrenlandkarte deiner Wohnung. Für ein kletterndes Kleinkind wandert die Kindersicherung vom Boden nach oben, zu allem, was es jetzt durch Hochkraxeln erreicht.

Erkennen, dass sich die Regeln geändert haben

Gitter, Sicherungen und der Blick über den Boden, die dein Krabbelkind geschützt haben, waren für ein Kind gemacht, das unten bleibt. Ein kletterndes Kleinkind benutzt Möbel als Treppe, und Gefahren, die du sicher außer Reichweite glaubtest, sind plötzlich erreichbar. Das ist kein Versagen deiner bisherigen Kindersicherung, sondern einfach die nächste Phase, und je früher du nachziehst, desto weniger Überraschungen erlebst du. Wenn du beobachtest, wie genau dein Kind klettert, ob es Schubladen als Stufen nimmt oder Stühle umherschiebt, weißt du, worauf du dich konzentrieren musst.

Alles befestigen, was kippen könnte

Die dringendste Aufgabe bei einem kletternden Kleinkind ist, Möbel zu sichern. Ein Kind, das Schubladen herauszieht, um eine Kommode zu erklimmen, oder sich an einem Bücherregal hochzieht, kann das ganze Möbelstück auf sich ziehen, und schwere Möbel und Fernseher verursachen jedes Jahr schwere Quetschverletzungen. Befestige Kommoden, Bücherregale, Regale und Kleiderschränke mit Gurten oder Winkeln an der Wand und sichere Fernseher oder häng sie an die Wand. Wo es geht, kommen schwere Sachen in die unteren Schubladen, damit die Möbel weniger kopflastig sind, und räum verlockende Dinge von oben weg, damit es weniger Gründe zum Klettern gibt.

Babybett, Bett und Fenster neu denken

Klettern verändert auch den Schlafplatz. Ein Kleinkind, das ein Bein über das Gitter schwingen kann, kann herausfallen. Stell den Lattenrost auf die tiefste Stufe und überleg, sobald dein Kind wirklich herausklettert, auf ein niedriges Kinderbett umzusteigen. Halte Betten und Babybett von Fenstern fern, denn ein Bett ist ein bequemer Tritt zur Fensterbank. Bring Fenstersicherungen an, damit sich Fenster nicht weit öffnen lassen, und räum alles, worauf man klettern kann, unter den Fenstern weg. Kindersicherung für Kletterer und Schutz vor Fensterstürzen gehören zusammen.

Die neuen Wege nach oben versperren

Ein kletterndes Kleinkind ist erfinderisch, deshalb gehört es dazu, die Startrampen zu entfernen:

  • Schieb Esstischstühle und Schreibtischstühle ganz unter den Tisch und stell sie, wo es geht, so, dass dein Kind sie nicht an die Arbeitsplatte ziehen kann.
  • Halte Babybett, Sofa und niedrige Regale von Geländern, Balkon und Fenstern fern.
  • Bau oben und unten an der Treppe Gitter ein und schraub das obere an die Wand, statt dich auf ein Klemmgitter zu verlassen.
  • Räum Tritthocker, Kisten und Wäschekörbe außer Reichweite, damit sie nicht als Kletterhilfe umgestellt werden.

Die einfachen Stufen wegzunehmen, bringt oft mehr als jede einzelne Sicherung, weil es das Mittel beseitigt, bevor die Versuchung kommt.

Dem Klettern einen sicheren Platz geben

Weil Klettern ein Entwicklungsbedürfnis ist, ist ein komplettes Verbot weder realistisch noch hilfreich. Ein Kleinkind, das überall ein Nein hört, klettert einfach, wenn du nicht hinschaust. Viel sicherer ist es, erlaubte Kletterorte anzubieten, etwa ein niedriges, stabiles Klettergerüst für drinnen, ein Kissenberg zum Erklimmen oder begleitete Zeit auf dem Spielplatz. Hat dein Kind einen Ort, an dem es hochdarf, verliert das verbotene Regal etwas von seiner Anziehung, und du kannst umlenken, ohne zu kämpfen.

Aufsicht und Sicherungen zusammen

Sicherungen senken das Risiko, aber ein kletterndes Kleinkind ist schnell und denkt kreativ, deshalb bleibt Aufsicht unverzichtbar. Kindersicherung wirkt hier in Schichten: befestigte Möbel, entfernte Startrampen, gesicherte Fenster und ein Erwachsener, der aufmerksam bleibt. Wenn du nicht genau hinschauen kannst, etwa beim Kochen oder Telefonieren, ist es sicherer, dein Kind in einem Raum zu lassen, den du besonders gesichert hast, statt anzunehmen, ein einzelnes Gitter halte schon.

Wann du nach einem Sturz Hilfe holst

Auch in einer gut vorbereiteten Wohnung fällt ein Kind mal hin, und meistens ist es harmlos. Tröste dein Kind, schau nach Verletzungen und beobachte, wie es sich erholt. Hol ärztlichen Rat, wenn dein Kleinkind bewusstlos wird, mehrmals erbricht, einen Krampfanfall hat, ungewöhnlich schläfrig oder schwer wach zu bekommen ist oder eine Blutung nicht aufhört. Auch ein Sturz aus größerer Höhe oder auf harten Boden mit einem Schlag auf den Kopf gehört abgeklärt. Vertrau deinem Gefühl: Wenn dir nach einem Sturz etwas komisch vorkommt, ist es immer berechtigt, dein Kind anschauen zu lassen.

Einen Schritt voraus bleiben

Die Kletterphase dauert nicht ewig, auch wenn sie sich unerbittlich anfühlt, solange sie da ist. Deine Aufgabe ist, mit einem Kind Schritt zu halten, dessen Reichweite und Ehrgeiz Woche für Woche wachsen. Schau dir deine Wohnung bei jeder neuen Fähigkeit mit frischen Augen an, befestige alles, was kippen könnte, nimm die Stufen nach oben weg und gib deinem Kleinkind sichere Orte für seinen Kletterdrang. Dann kannst du etwas entspannter sein, weil du den Gipfel schon so sicher gemacht hast, wie es geht, wenn dein kleiner Bergsteiger unweigerlich nach oben strebt.

Das Wichtigste: Bei einem kletternden Kleinkind wandert die Kindersicherung nach oben: alle schweren Möbel befestigen, Stühle und Kisten als Kletterhilfen wegräumen und sichere Kletterorte anbieten.

WHO, Falls fact sheet

AAP HealthyChildren, Safety and prevention at home