Pappbilderbuch oder Bilderbuch: Was passt in welchem Alter?
Vor dem Kinderbuchregal stehst du vor zwei großen Möglichkeiten: dicke, robuste Pappbilderbücher und dünnere, längere Bilderbücher. Beide sind wunderbar. Die Frage ist nur, welches zu dem Kind passt, das heute vor dir sitzt. Im Grunde geht es um Aufmerksamkeit, den Umgang mit dem Buch und die Länge der Geschichte, nicht darum, was besser ist.
Kurz gesagt
Pappbilderbücher passen zu den kleinsten Händen. Ihre steifen Seiten überstehen Grapschen, Kauen und ungeschicktes Blättern, und ihr kurzer, schlichter Inhalt passt zur knappen Aufmerksamkeit eines Babys oder jungen Kleinkinds. Bilderbücher mit Papierseiten und reicheren Geschichten kommen zur Geltung, sobald ein Kind ein paar Minuten sitzen bleibt, einem längeren Text zuhört und ein Buch behutsam behandelt. Die meisten Kinder wandern nach und nach vom einen zum anderen und lieben dabei alte Lieblinge aus beiden Welten weiter.
Von der Geburt bis etwa 18 Monate: Pappe gewinnt
In diesem Alter ist ein Buch etwas zum Halten, in den Mund Stecken, Fallenlassen und Erkunden. Pappbilderbücher sind genau dafür gemacht. Achte auf dicke Seiten, kräftige Bilder mit starken Kontrasten, Gesichter, Alltagsgegenstände und ein oder zwei Wörter pro Seite. Fühlbücher und Klappenbücher aus Pappe geben einen Grund, hineinzugreifen und mitzumachen.
Erwarte nicht, dass dein Baby eine Geschichte durchhält. Eine Minute Bilder benennen zählt. Es geht um Nähe, deine Stimme und darum, dein Baby ein Buch anfassen zu lassen, ohne jedes Mal zusammenzuzucken, wenn sich eine Seite biegt.
Von etwa 18 Monaten bis 3 Jahren: eine Mischung, noch mit mehr Pappe
Kleinkinder sind bereit für etwas mehr Geschichte, aber sie gehen noch grob mit Büchern um und haben wenig Geduld. Pappbilderbücher mit einer einfachen Abfolge, einer wiederkehrenden Zeile zum Mitsprechen oder einer versteckten Klappe holen sie immer wieder zurück. Jetzt kannst du auch anfangen, stabilere Bilderbücher zum gemeinsamen Lesen im Sitzen einzuführen, bei denen du die Seiten hältst.
In dieser Phase heißt das: beides anbieten. Pappbilderbücher, die dein Kleinkind herumtragen und allein durchblättern kann, und Bilderbücher, die ihr in ruhigeren Momenten gemeinsam lest, etwa vor dem Mittagsschlaf.
Von etwa 3 bis 5 Jahren: Bilderbücher übernehmen
Jetzt kommen Bilderbücher aus Papier richtig zur Geltung. Kindergartenkinder können einer längeren Handlung folgen, mehrere Minuten sitzen, vorhersagen, was als Nächstes passiert, und über Figuren und Gefühle sprechen. Reichere Bilder belohnen langsames Hinschauen und Fragen. Längere Texte erweitern den Wortschatz weit über das alltägliche Plaudern hinaus.
Viele Kinder in diesem Alter lieben bestimmte Pappbilderbücher immer noch, und das ist völlig in Ordnung. Ein vertrautes, tröstliches Buch hat in jedem Alter seinen Wert. Biete neue Bilderbücher neben den alten Freunden an, statt das Regal leerzuräumen.
Innerhalb jeder Art gut auswählen
Egal, wozu du greifst, ein paar Dinge machen ein Buch gut:
- Bilder, die die Bedeutung tragen, damit ein Kind folgen kann, auch bevor es die Wörter kennt.
- Rhythmus oder Wiederholung, die dein Kind vorhersagen und mitsprechen kann.
- Ein Thema nah an seiner Welt, etwa Tiere, Fahrzeuge, Essen, Schlafenszeit oder ein neues Geschwisterchen.
- Eine Länge, die zum Moment passt, kürzer, wenn es müde ist, länger, wenn es zur Ruhe gekommen ist.
Ein wunderschönes Bilderbuch, bei dem dein Kleinkind nach der Hälfte aussteigt, bringt ihm weniger als ein zerfleddertes Pappbilderbuch, um das es jeden Abend bettelt. Folge der Begeisterung, nicht dem Ehrgeiz.
Die eine Art bereitet die andere vor
Pappbilderbücher führen in die Idee eines Buches überhaupt ein: Seiten werden umgeblättert, Bilder bedeuten etwas, Wörter gehören zu den Bildern. Diese Grundlage macht den Sprung zum Bilderbuch leichter. Bilderbücher wiederum lassen Aufmerksamkeit und Wortschatz wachsen, die ein Kind später zu ersten Kinderbüchern mit Kapiteln tragen.
Keine Phase muss beschleunigt werden. Ein Kind, das mit zweieinhalb Jahren noch am liebsten Pappbilderbücher anschaut, ist nicht hinterher. Diese Altersangaben sind eine Orientierung, kein Fahrplan, und Kinder kommen in ihrem eigenen Tempo bei längeren Geschichten an.
Was oft dazwischenfunkt
Zu weit vorauszukaufen ist verbreitet. Ein prächtiges Bilderbuch mit vierzig Seiten für ein einjähriges Kind landet oft im Regal und wird vergessen, während ein günstiges Pappbilderbuch zerliebt wird. Pass das Buch an das Jetzt an.
Das Gegenteil kommt auch vor. Wer nur bei Babybüchern aus Pappe bleibt, wenn ein Kind eindeutig für mehr bereit ist, langweilt es womöglich ein wenig. Rast dein Kindergartenkind durch Pappbilderbücher und fragt „Und was passiert dann?“, sagt es dir, dass es für gehaltvollere Geschichten bereit ist.
Auch die Sorge um Schäden steht Bilderbüchern manchmal im Weg. Papierbücher gemeinsam zu lesen, wobei du anfangs umblätterst, lehrt behutsamen Umgang viel besser, als sie außer Reichweite zu halten.
Wann du dir Hilfe holst
Die Wahl der Bücher ist kein Entwicklungstest, lies also nicht zu viel hinein. Ein freundliches Gespräch in der Kinderarztpraxis lohnt sich, wenn dein Kind über viele Wochen kein Interesse an Bildern oder deiner Stimme zeigt, mit etwa zwei Jahren nicht auf vertraute Bilder zeigt oder sie benennt oder mit etwa drei Jahren keine Wörter zu einfachen Geschichten zusammensetzt. Das sind allgemeine Anhaltspunkte für Hören und Sprache, kein Urteil über das Lesen.
Was du mitnehmen kannst
Einen Sieger gibt es nicht. Pappbilderbücher tragen die ersten Jahre, Bilderbücher die wachsende Fantasie, und Kinder halten fröhlich an Lieblingen aus beiden fest. Biete an, was heute passt, halte es vergnüglich und lass den Appetit deines Kindes sagen, wann es Zeit für etwas Längeres ist.
Das Wichtigste: Pappbilderbücher passen zu den kleinsten, gröbsten Händen, Bilderbücher zur wachsenden Aufmerksamkeit. Biete eine Mischung an und lass das Interesse deines Kindes das Tempo bestimmen.