Bewegungslieder mit Kleinkind: Mitmachen statt Vorführen
Bewegungslieder, die mit den Rädern, die sich drehen, mit Kopf, Schulter, Knie und Fuß und mit dem Häschen in der Grube, gehören aus gutem Grund zur frühen Kindheit. Sie stecken voller Sprache, Bewegung, Gedächtnis und Zusammensein. Doch sie können in eine kleine Show kippen, bei der ein Kind auf Kommando die Bewegungen vormachen soll. Wer Bewegungslieder ohne Vorführdruck einsetzt, behält all das Gute und lässt den Druck weg, der es verderben kann.
Was Bewegungslieder so nützlich macht
Verbindet ein Lied Worte mit Bewegungen, hört ein Kind die Sprache, sieht sie gespielt und spürt sie im eigenen Körper, alles gleichzeitig. Diese reiche Mischung hilft neuen Wörtern zu haften und stützt das Gedächtnis, weil die Bewegungen sanfte Hinweise auf das geben, was als Nächstes kommt. Auch die vorhersehbare Form tröstet. Ein Kind, das ein Lied kennt, kann sich hineinfallen lassen und mit der Zeit immer selbstbewusster mitmachen, ganz ohne eine einzige Lernkarte.
Wo sich die Vorführfalle einschleicht
Schwierig wird es, wenn sich der Blick still vom gemeinsamen Singen dahin verschiebt, das Kind zum Vorführen zu bringen. Bittet man ein Kleinkind „Zeig Oma mal die Bewegungen“ oder „Mach es richtig“, wird aus einer warmen Beschäftigung ein Test. Manche Kinder lieben Publikum, aber viele erstarren, verweigern oder verlieren die Lust, sobald sie sich beobachtet und bewertet fühlen. Das Lied war nie als Vorspiel gedacht, und wer es so behandelt, verleidet einem Kind womöglich genau das, woran es Freude hatte.
Erst singen, nichts erwarten
Am einfachsten ist es, aus Freude zu singen und dein Kind mitmachen zu lassen, wie es mag. Mach die Bewegungen selbst, ganz und gern, und lass die Tür offen, damit dein Kind nachmacht, zuschaut oder wegläuft und wiederkommt. Ein Kind, das still zuschaut, lernt trotzdem, und eines, das die Bewegungen drei Zeilen zu spät macht, macht es großartig. Erfolg misst sich an der gemeinsamen Freude, nicht daran, wer was auf Kommando gemacht hat.
Dein Kind wählt seinen Teil
Kinder lieben das Gefühl, dass etwas ihnen gehört. Biete Wahlmöglichkeiten statt Anweisungen: Welches Lied singen wir, willst du die großen oder die kleinen Bewegungen machen, singen wir es diesmal schnell oder langsam? Ein Kind, das Lied und Tempo aussucht, steigt viel eher ein als eines, dem man sagt, es solle einen festen Ablauf vorführen. Du kannst es auch eigene alberne Bewegungen erfinden lassen. So bleibt das Lied seins und wird kein festes Drehbuch zum Nachspielen.
Beliebte Lieder und wie sie entspannt bleiben
- Die Räder vom Bus: Lass dein Kind neue Strophen erfinden, etwa den Hund im Bus, der wau wau macht.
- Kopf, Schulter, Knie und Fuß: Singt es ganz langsam und dann rasend schnell, damit es sich nach Spiel anfühlt und nicht nach Pflicht.
- Ein kleiner Matrose: Setzt euch gegenüber und schaukelt zusammen, ganz ohne Soloauftritt.
- Wenn du glücklich bist: Setz die eigenen Ideen deines Kindes als Bewegungen ein.
- Häschen in der Grube: Ein schönes Lied zum Runterkommen, bei dem stilles Liegen die Hauptsache ist.
Wenn Publikum dazukommt
Verwandte bitten ein Kind oft vorzuführen und meinen es nur lieb. Du kannst das sanft lenken. Singt das Lied gemeinsam mit deinem Kind, statt es in ein Solo zu schieben, dann spielt der Besuch mit, statt zuzuschauen. Will dein Kind nicht, nimmt ein leichtes „Das singen wir zu Hause so gern, komm, sing mit uns“ das Rampenlicht weg, und alle fühlen sich wohl. Dein Kind lernt, dass Lieder zum Teilen da sind und nicht, um sich zu beweisen.
Verschiedene Temperamente
Manche Kinder sind geborene Rampensäue und lieben Publikum, und es schadet nicht, das mit ihnen zu genießen. Andere sind vorsichtig und müssen oft zuschauen, bevor sie es probieren, und dieses langsame Warmwerden ist völlig normal. Einige mögen es nicht, beim Bewegen angeschaut zu werden, und machen die Bewegungen lieber nebeneinander als gegenüber. Folge deinem Kind und lass sein Wohlgefühl den Ton angeben, nicht einen Meilenstein oder die Hoffnungen der Verwandtschaft.
Ein leiser Hinweis zur Entwicklung
Mitmachen bei Bewegungen und Worten wächst nach und nach und ist von Kind zu Kind sehr verschieden, Vergleiche braucht es also nicht. Bewegungslieder geben dir aber einen sanften Blick auf Zuhören, Bewegung und Sprache. Zeigt dein Kind über lange Zeit wenig Interesse an Liedern oder Menschen, scheint es deine Stimme nicht zu hören oder nicht darauf zu reagieren, benutzt es keine Wörter oder Gesten in dem Alter, in dem du es erwarten würdest, oder verliert es Fähigkeiten, die es schon hatte, dann sprich es in der Kinderarztpraxis an.
Worum es eigentlich geht
Bewegungslieder sind am schönsten, wenn sie sich wie eine Umarmung mit Melodie anfühlen und nicht wie ein Vorsingen. Sing von Herzen, mach die Bewegungen selbst, biete Wahlmöglichkeiten an und lass dein Kind auf seine Art und in seiner Zeit mitmachen. Das Lernen kümmert sich um sich selbst, wenn der Druck weg ist.
Das Wichtigste: Sing aus gemeinsamer Freude und mach die Bewegungen selbst. Lass dein Kind mitmachen, wie und wann es mag, statt auf Wunsch vorzuführen.